{"id":761,"date":"2020-05-24T22:21:00","date_gmt":"2020-05-24T20:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemsnk.de\/?p=761"},"modified":"2020-06-15T01:47:04","modified_gmt":"2020-06-14T23:47:04","slug":"pressebericht-blick-von-aussen-braeuchten-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemsnk.de\/?p=761","title":{"rendered":"Pressebericht \u201eBlick von au\u00dfen br\u00e4uchten alle\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit zwei Jahren sind die Bachschule und die Gemeinschaftsschule Stadtmitte in Neunkirchen im Projekt \u201eSchulen stark machen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Konzept \u00fcberzeugt, sind die Schulleiter Michael Klepper und Uwe Sander sicher.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ort hat etwas Romantisches. Einladend scheint w\u00e4rmende Fr\u00fchjahrssonne \u00fcber das gr\u00fcne Klassenzimmer. Holzb\u00e4nke und Tisch, ums\u00e4umt vom ersten hohen Gras, begrenzt durch Beerenstr\u00e4ucher. Ein bisschen Abenteuerunterricht am Rande der Blies. Allein der erwartbare L\u00e4rm von Sch\u00fclern fehlt. Ein Vormittag an der Bachschule in Neunkirchen in den Tagen der Corona-Zwangspause. L\u00e4rmende Sch\u00fcler sind zwar Fehlanzeige, aber es herrscht gesch\u00e4ftiges Treiben. Auf Tischen aufgestapelt liegt kopiertes Unterrichtsmaterial.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zweifel nehmen Lehrer das mit und bringen es den Sch\u00fclern nach Hause, berichtet Schulleiter Uwe Sander. Seine Grundschule sei \u201espeziell, aber sch\u00f6n&#8220;. Im Polit-Deutsch der Kultusministerkonferenz hei\u00dft so etwas: \u201eSchule in sozial schwierigen Lagen&#8220;. 85 Prozent der Sch\u00fcler haben ausl\u00e4ndische Wurzeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bachschule ist eine von sechs Grundschulen im Saarland im Projekt \u201eSchulen stark machen&#8220;. Die Gemeinschaftsschule Neunkirchen-Stadtmitte ist eine der sechs Projekt-Gemeinschaftsschulen. Deren Leiter Michael Klepper ist mit \u00e4hnlichen Herausforderungen im selben Umfeld der Kreisstadt konfrontiert. \u201eSchule wie fr\u00fcher funktioniert nicht mehr&#8220;, sind sich beide einig.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Standorte mit diesen speziellen Herausforderungen ist das Projekt \u201eSchulen stark machen&#8220; entwickelt worden. Am Anfang steht zun\u00e4chst, \u201esich selbst zu vergewissern&#8220; in diesem \u201espeziellen Umfeld&#8220;, sagt Klepper, und daraus eine \u201eVision f\u00fcr die Entwicklung&#8220; zu erarbeiten. \u201eWir wollen unseren Sch\u00fclern Teilhabem\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen&#8220;, betont er. Das wollen im Grunde alle Schulen, f\u00fcr die spezielle Sch\u00fclerschaft ist es aber eben auch eine spezielle Aufgabe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Projektschulen eng zusammenarbeiten, geh\u00f6rt zum Konzept, ist auch naheliegend, wenn man vor vergleichbaren Aufgaben steht. Bislang waren Schulen und Lehrer weitgehend auf sich selbst gestellt. Seit es das Projekt gibt, \u201ewird ganz anders kooperiert&#8220;, unterstreicht Klepper. Das gilt sowohl intern als auch mit den anderen Projektschulen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teilhabem\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWichtig ist gedankliche Offenheit&#8220;, um neue Konzepte zu entwickeln \u2013 und auch ein St\u00fcck Mut geh\u00f6re zu einem Experiment mit neuen Wegen, betont Klepper: \u201eWir werden auch Fehler machen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In Neunkirchen erg\u00e4nzen sich die Projektschulen mit ihren Profilen. \u201eWir gehen mehr \u00fcber Sport zur Integration&#8220;, sagt Sander \u00fcber die Bachschule. F\u00fcr Klepper steht eher das Konzept der Erlebnisp\u00e4dagogik im Vordergrund. Ber\u00fchrungspunkte sind naheliegend. Jede Schule gehe zwar ihren eigenen Weg, aber letztlich verfolgten alle dasselbe Ziel, und das sei gewiss \u201enicht das Ziel, einen Mikrokosmos zu verwalten&#8220;, formuliert Sander etwas plakativ.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb sch\u00e4tzen beide auch ein weiteres wichtiges Standbein im Projekt: die Begleitung von externen Experten, sogenannten Coaches, die ihre eigene Erfahrungen aus anderen Standorten aber mit \u00e4hnlichen Strukturen einbringen. Der \u201eBlick von au\u00dfen&#8220; sei wichtig, aber es gebe \u201ekeine Blaupausen&#8220;, die einfach \u00fcbertragbar seien, stellt Uwe Sander fest. \u201eJede Schule hat ihren eigenen Entwicklungsansatz.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb sei es wichtig, dass die Coaches \u201euns keine Dinge aufdr\u00fccken&#8220;. Aber die Beratung sei \u201etop und hilft&#8220;. Insbesondere bei der Arbeit an der Schulentwicklung. \u201eDas m\u00fcssten eigentlich alle Schulen machen&#8220;, erg\u00e4nzt Klepper, und f\u00fcgt hinzu: \u201eAlle Schulen br\u00e4uchten eigentlich den Blick von au\u00dfen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Neunkircher Projektschulen mit ihrem hohen Anteil bulgarischer Sch\u00fcler und deren famili\u00e4res Umfeld stehen vor anderen Fragen als beispielsweise die Projektschulen in V\u00f6lklingen und einem hohen Anteil t\u00fcrkischst\u00e4mmiger Kinder oder Lebach im Umfeld der Landesaufnahmestelle f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Eine gemeinsame Erfahrung d\u00fcrfte aber sein, was Klepper feststellt: \u201eSie k\u00f6nnen nicht inkludieren ohne die Eltern.&#8220; Das klingt etwas akademisch, aber in Neunkirchen hat man gerade in der Corona-schulfreien Zeit damit spezielle und teils \u00fcberraschende Erfahrungen gemacht, insbesondere durch das gro\u00dfe Engagement, sich um m\u00f6glichst jeden Sch\u00fcler, der in dieser Zeit zu Hause bleiben musste, zu k\u00fcmmern. \u00dcber Whatsapp-Gruppen bis zum klassischen Telefon \u2013 und nicht zuletzt nicht selten mal pers\u00f6nlich vorbeizufahren. Eltern, die sonst Schule eher distanziert gegen\u00fcber st\u00fcnden, h\u00e4tten ganz neue Eindr\u00fccke durch dieses pers\u00f6nliche K\u00fcmmern gewonnen. Noch nie sei die Wertsch\u00e4tzung so gro\u00df gewesen. Ob das zu einem vertrauensvolleren Verh\u00e4ltnis beitr\u00e4gt, jetzt, wo Schulen langsam zur\u00fcck in einen neuen Alltag unter Corona-Bedingungen finden, ist noch eine offene Frage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gedankliche Offenheit und Mut zum Experiment<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber diese Zeit habe auch gezeigt, dass \u201eS\u00fcnden der Vergangenheit geradezu explodieren&#8220;, meint Sander. Er spielt dabei auf die \u201edigitale Ungleichheit&#8220; an, die sich in diesen Zeiten gezeigt habe, die zu \u201eBildungsverlierern&#8220; f\u00fchren k\u00f6nne. Wobei \u201eDigitalisierung ein Teil moderner Schule, aber nicht der Teil&#8220; sei. Sp\u00e4testens an diesem Punkt setzt eine intensive p\u00e4dagogische Diskussion an. Etwa \u00fcber das Konzept \u201eNeue Autorit\u00e4t&#8220;, \u00fcber Fragen neuer Kommunikationsstrukturen, \u00fcber die allgemeine Erwartungshaltung an Schule, die \u201ealles machen soll&#8220; und sich dabei auch schon mal verzettelt. Womit man ziemlich mittendrin sein d\u00fcrfte in dem, was in der \u201eWerkstatt&#8220; von \u201eSchulen stark machen&#8220; so bearbeitet wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass das Projekt bereits einiges bewirkt und noch mehr ver\u00e4ndern kann, l\u00e4sst sich vielleicht am besten an dem Satz ablesen, den beide Schulleiter unterschreiben w\u00fcrden: \u201eWir sind gut. Aber uns bewegt, dass wir besser sein k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfahrungen der coronabedingten Pause \u2013 und vor allem auch die aus den ersten Schultagen danach \u2013 d\u00fcrften da noch etliche neue Erkenntnisse beitragen. War und ist das Projekt \u201eSchulen stark machen&#8220; bereits ein Weg zu Schulen der Zukunft, k\u00f6nnten sich auch hier die Corona-Erfahrungen wie ein Beschleuniger auswirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Das k\u00f6nnte beispielsweise f\u00fcr die Erfahrungen der vergangenen Wochen gelten, meint Klepper: \u201eWir haben festgestellt, dass Digitalisierung, wenn sie konsequent und an den Bed\u00fcrfnissen der Sch\u00fcler angepasst umgesetzt wird, einen guten Weg in Richtung Schulentwicklung darstellt.&#8220; So habe man festgestellt, dass Sch\u00fcler \u201esich auch auf selbst\u00e4ndiges und eigenverantwortliches Lernen einlassen&#8220;, nat\u00fcrlich mit Ausnahmen. Wenn aus dieser Erfahrung die richtigen Schl\u00fcsse im Blick auf Aktivierung, Inklusion, Integration und Partizipation gezogen und die konsequent umgesetzt w\u00fcrden, k\u00f6nnten Schulen sich \u201ein grunds\u00e4tzlichen Bereichen&#8220; ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><th scope=\"col\"><\/th><th scope=\"col\"><\/th><\/tr><\/thead><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Oliver Hilt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: 22.05.2020 <a href=\"https:\/\/magazin-forum.de\/de\/node\/18857#article\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">magazin-forum.de\/de\/node\/18857<\/a> [download am 24.05.2020]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Fotos:&nbsp;<\/em>Thomas Wieck<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit zwei Jahren sind die Bachschule und die Gemeinschaftsschule Stadtmitte in Neunkirchen im Projekt \u201eSchulen stark machen&#8220;. 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